Die Firma "Deutsche Luftfahrt Beratungsdienst" wurde bereits im Jahr 1950 durch Wilhelm Sachsenberg und Ernst Seibert gegründet. Nachdem zuerst Werbeflüge durchgeführt wurden, kam später ein Wartungsbetrieb hinzu und 1955 wurde die deutsche Vertretung der Flugzeugfirma "Cessna" übernommen. 1957 stieg man dann mit North American T-6 und Hawker Sea Fury in das Geschäft der Zieldarstellung ein. Die Flüge fanden für den nördlichen Raum Deutschlands meist ab Lübeck statt und führten unter anderem in die Schießgebiete über der Ostsee. Ein Artikel des Spiegel aus November 1964 lässt vermuten, dass es beim Betrieb der Firma recht einfallsreich zuging.

Quelle: Spiegel 11/1969

 

Als Nachfolgemodell der durch die belgische Firma COGEA in Blankensee betriebenen "Supermarine Spitfire" erschienen 16 doppelsitzige Maschinen des Typs Hawker "Sea Fury T(T) 20", sowie eine einsitzige Variante des Typs "Sea Fury FB 11", in Lübeck-Blankensee. Betrieben wurden diese zunächst ab 1958 durch den "Deutschen Luftfahrt Beratungsdienst" (DLB), später dann durch die Firma "Rhein Flugzeugbau" (RFB). Fast 17 Jahre lang prägten die Maschinen das Bild des Lübecker Flughafens. Der letzte Flug einer "Sea Fury" mit deutschem Kennzeichen wurde vermutlich am 12. November 1975 von Lübeck nach Köln durchgeführt.

Allgemeines

Die Hawker "Sea Fury" ist eines der schnellsten jemals gebauten kolbengetriebenen Flugzeuge. Die Entwicklung bei Hawker begann bereits 1942 und wurde, wie von einigen Fachleuten behauptet wird, durchaus auch von Einflüssen aus Deutschland geprägt. So sollen Ergebnisse aus der Untersuchung einer, am 23 Juni  1943 versehentlich auf dem Flugfeld Pembrey in England gelandeten, Focke Wulf 190 A-3 in die Entwicklung mit eingeflossen sein. (Die ganze Geschichte findet sich hier: Trejtnar vs. Favber - in englischer Sprache). Während der Produktionszeit von 1945 bis 1955 wurden über 900 Exemplare gebaut und waren mit unterschiedlichen Bezeichnungen in Ägypten, Australien, Burma, Deutschland, Irak, Marokko, Kanada, Kuba, Niederlanden, Pakistan und dem Vereinigen Königreich im Einsatz. Marokko selbst hat nie eine Fury direkt bei Hawker bestellt, erhielt aber vermutlich aus dem Irak vier Maschinen als Geschenk. Eigentlich für den Einsatz auf Flugzeugträgern entwickelt, und dort auch eingesetzt, erfuhren die Lübecker Furys einige Modifikationen.

Technische Daten

Triebwerk Bristol Centaurus XVIII, luftgekühter 18 Zylinder Doppelsternmotor, 2480 PS
Abmessungen

Breite: 11,70m (5,54m mit hochgeklappten Tragflächen),
Länge: 10,54m,
Höhe: 4,14m (5-Blatt Propeller, ein Blatt senkrecht nach unten),
Flügelfläche: 26m²

Gewicht (DLB TT20)

Leergewicht: 4.521 kg
Zuladung: 1.829 kg
Maximales Abfluggewicht: 6.350 kg

Flugleistungen Dienstgipfelhöhe: 35.600 Fuss,
Höchstgeschwindigkeit (T 20): 386 Knoten auf 18.000 Fuss

 

Fury Anflug 

Lübecker Sea Furies

Fury DCOCO Winde tnDie ab Lübeck betrieben Sea Fury wurden in der Schweiz für die Zieldarstellung umgerüstet. Zur sogenannten "Zieldarstellung 2" (ZD2) erhielten alle, bis auf zwei, eine hydraulisch oder direkt über eine Welle angetriebene Winde, an der mit einem mehrere hundert Meter langen Stahlseil ein Luftsack gezogen wurde, welcher dann durch am Boden trainierende Luftabwehreinheiten der Bundeswehr beschossen werden konnte. Die beiden Furys ohne Winde, D-CACA und  D-CACU, wurden vorwiegend zum Pilotentraining eingesetzt und waren mit einem Doppelsteuer ausgerüstet. Die Winde wurde durch den im hinteren Cockpit sitzenden Beobachter bedient. Dieser brachte, quer zur Flugrichtung auf einem dort angebrachten "Sitz" (vielmehr war es ein Holzbrett) sitzend, die Schleppziele durch ein Loch im Rumpfboden in die Luft. Mit Hilfe von Mikrofonen, welche am Schleppziel befestigt waren, wurden mögliche Treffer registriert und auf eine Trefferanzeige gebracht, welche im Tunnel der Haube, zwischen dem vorderen und hinteren Cockpit, verbaut war. Etwaige Erfolge wurden dann an den Boden weitergeleitet.

Theoretisch war dies eine Möglichkeit Luftabwehr zu trainieren, ohne das Luftfahrzeug und dessen Besatzung in Gefahr zu bringen. Das dies nicht immer so war, zeigen verschiedene Erzählungen von Piloten und Beobachtern, die hin und wieder versehentlich doch ins Visier gerieten. Sicherer dürfte es bei der "Zieldarstellung 1" (ZD 1) zugegangen sein. Hier wurden lediglich Richtübungen durchgeführt, ohne scharfen Schuss.

Fury-Schleppsack tn
 
Eine Lübecker Sea Fury mit Schleppziel im Vorbeiflug. Schön zu sehen auch die Verspannungen am Seitenleitwerk, die als Seilabweiser dienten und Beschädigungen vorbeugen sollten.
Am Boden erkennt man deutlicher die Konstruktion der Seilabweiser - siehe auch weiter unten in den Details. Schön zu sehen die Winde seitlich, sowie die Schlepp-Vorrichtung unter dem Rumpf. Beachte auch die noch fehlende Antenne zwischen den Fahrwerksklappen, sowie die am Leitwerk angebrachte Kennung. D-CATA Seilabweiser tn



Der folgende Abschnitt befasst sich mit den Details der deutschen Furys.

Wartungshinweise, Markierungen und Modifikationen:

Fury detail winde rechts Fury detail sporn rechts

Anmerkungen: Links: D-CAFO (ES8509) etwa 1974. Hinten: "hier aufbocken"; über dem Sporn: "2,4 ATÜ"; rechts: "Nur Spindelbock" (Auch wenn es hier eher wie ein "Für Spindelbock" aussieht - auf anderen Aufnahmen ist definitiv "Nur" zu lesen). Beachte auch die geschlossenen Klappen für das fest ausgefahrene Spornrad und die Seilabweiserkonstruktion. Rechts: D-CAFO (ES8509) etwa 1974, unter hinterem Cockpit. Oben: "Schienen nicht betreten" (dieser Schriftzug ist auch am vorderen Cockpit angebracht), links unter der Winde "Abwerfbares Kabinendach | für Kabinendachabwurf | breche Glas, ziehe Kabel" (dieser Hinweis ist sowohl an den TT20 als auch an der D-CACY (Fb 11) zu finden.

 

Fury pruefdruck tank reifen Fury fussraste tn

Anmerkungen: Links: D-CAFO (ES8509) etwa 1974. Auf dem Zusatztank: "Prüfdruck 0,42 Kg/cm³" und ein Datum an der Naht; auf der Fahrwerksverkleidung: "6 ATÜ". Rechts: Kennzeichen und Jahr unbekannt. Aufgenommen von schräg links hinten. Auf der Fläche: "Fussraste" mit Pfeil nach rechts. Beachte den gelben Strich auf der Flächenwurzel zur Markierung der Raste unter der Tragflächenwurzel.

 

Fury Notabwerfkabel tn Fury Propeller tn

Anmerkungen: Links: (Der schwarze Streifen auf dem Bild wird durch eine Beschädigung des Bildes verursacht) Kennzeichen und Jahr unbekannt. Hinweis zur Kabinenhaube: "Not-Kabinendachabwerfkabel auf der anderen Seite". Rechts: Kennzeichen und Jahr unbekannt. "Zu" und "Offen" Hinweise auf dem Propellerspinner beziehen sich vermutlich auf den Verschluss zur Abnahme dessen. Nicht auf allen Aufnahmen zu sehen (evtl. nicht rundherum angebracht?), auf einigen in etwas kleinerer Schrift. Spinner rot, Schrift gelb.

 

Fury Einstieg tn Fury Registration tn

Anmerkungen: Links: Kennzeichen und Jahr unbekannt. Unterhalb des Cockpits, gelb gestrichelt zur Markierung des Ausstiegs (?), außerdem "Schienen nicht betreten". Beachte die im Tunnel zwischen den Cockpits angebrachte Trefferanzeige. Rechts: D-CAMI, Jahr unbekannt. Das am Leitwerk angebrachte Kennzeichen lässt auf eine frühe Aufnahme schließen. Sie belegt, dass entgegen der Behauptungen in einigen Büchern die Lübecker Furys doch, zumindest kurzzeitig, die Kennzeichen auf und unter den Flächen trugen. Vermutlich auf der linken Fläche unterhalb, sowie auf der rechten Fläche oben.

 

Fury Rumpfloch Fury Rundumlicht tn

Anmerkungen: Links: D-CATA, Jahr unbekannt. Hier gut zu erkennen: das Loch im Rumpfboden des hinteren Cockpits, durch das die Schleppziele freigesetzt werden konnten. Davor gut zu sehen die Seilführung der Winde und die Funk-Antenne welche erst in späteren Jahren einen direkten Funkkkontakt zwischen der Besatzung der Fury und den Bodeneinheiten ermöglichte. Rechts: D-CATA, Jahr unbekannt. Irgendwann gegen Ende der Furys in Lübeck wurden durch RFB Rundumleuchten auf dem Rumpf nachgerüstet.

Hinweise zu den Kennzeichen:

Die unten bei nahezu allen Furys nach dem Muster "G-9-xx" vermerkten Kennzeichen (siehe "Verbleib der Luftfahrzeuge"), sind Werkskennzeichen (Testkennzeichen), welche ab Januar 1948 verwendet wurden. Sie setzen sich aus dem nationalen Kennzeichen "G-" und einer an die Flugzeughersteller vegebenen zweiten Nummer zusammen. Hawker erhielt die "9" (also: G-9-). Die letzten Ziffern konnten frei vergeben werden. Einige Hersteller, wie z.B. "Britten-Norman-Islander" brachten hier die Seriennummer des Flugzeuges mit ein. Bei "Hawker Aircraft" scheint einfach eine fortlaufende Numerierung erfolgt zu sein. Die Kennungen durften beliebig wiederverwendet werden. Es existieren einige wenige Bilder von den Lübecker Furys mit den besagten Kennungen. Diese entstanden vor dem aktiven Dienst bei DLB, während der Umrüstung zum Zielschlepper.

Die Änderung der deutschen Kennzeichen erfolgte mit Änderung des maximalen Abfluggewichtes. Die Änderung erfolgte "nach oben", d.h. es wurde von "D-Fxxx" auf "D-Cxxx" umregistriert.

Im folgenden der Versuch den Verleib der einzelnen Maschinen darzustellen. Hierzu wurde aus unterschiedlichsten Quellen Information zusammengetragen und nach besten Wissen geprüft. Es ist sehr wahrscheinlich das einige Maschinen "kanibalisiert" wurden und sich daher nur Spuren der "originalen" Werknummern an den entsprechenden Maschinen befinden. Sollten Sie über andere und/oder weitere Infos verfügen, sind wir für jeden Hinweis dankbar.

Übersicht

D-CABY Typ: TT20 Werknnr: ES3611 Seriennr.: WE824 Stand: 03/1970
Andere Kennzeichen: G-9-60
Anmerkungen: Zerstört bei Flugunfall, wahrscheinlich aufgrund schlechten Wetters, nahe Rahlstedt am 03. März 1970, der Pilot, welcher alleine an Bord ist, kommt ums Leben.
D-CACA Typ: TT20 Werknnr: ES3612 Seriennr.: VZ365 Stand: 03/2013
Andere Kennzeichen: G-9-61, N1324
Anmerkungen: verkauft nach Belgien, 1975 .... verkauft in die USA, 1985 .... teilweise verwendet für die Restauration von zwei anderen, vermutlich irakischen, Furys, 2000
D-CACE Typ: TT20 Werknnr: ES3613 Seriennr.: VX302 Stand: 8/2014
Andere Kennzeichen: G-9-62, G-BCOV, N613RD, N51SF
Anmerkungen: Zur Zeit in den fachkundigen Händen von MeierMotors. Die Geschichte dieses Flugzeuges ist dort schön nachzulesen: Klick hier
D-CACI Typ: TT20 Werknnr: ES3614 Seriennr.: VX280 Stand: 02/2014
Andere Kennzeichen: G-9-63
Anmerkungen: Zerstört bei Flugunfall nach Motorschaden am 10.08.1965 bei Siegen. Der Pilot kann sich mit dem Fallschirm retten, ein zweiter Pilot an Bord wird, bei dem erfolgreichen Versuch noch eine Siedlung zu umfliegen, getötet. (Augenzeugenbericht)
D-CACO Typ: TT20 Werknnr: ES3615 Seriennr.: VX281 Stand: 07/2014
Andere Kennzeichen: G-9-64, G-BCOW, N8476W (#40 'Nuthin Special'), N281L ('Dragon of Mymru'), G-RNHF
Anmerkungen: Ex-Royal Navy .... DLB/RFB,1963 .... verkauft nach England, 1974 .... verkauft nach USA, 1980 .... verkauft nach Yeovilton "Royal Navy Historic Flight", UK, 2002 .... Beschädigt bei Bauchlandung nach Motorproblemen Juli 2014
D-CACU Typ: TT20 Werknnr: ES3616 Seriennr.: WG655 Stand: xx/2009
Andere Kennzeichen: 246/GN, 910/GN,G-9-65, N20MD, NX20MD
Anmerkungen: Ex-Royal Navy .... DLB/RFB, 1963 .... letzter Flug einer deutschen Sea Fury 1975  .... verkauft an Royal Navy Historic Flight .... betrieben bis 1980, zerstört bei Notlandung wegen Triebwerksausfall .... verkauft nach Neuseeland (dort Teile verwendet für ZK-SFR) .... Rest in die USA verkauft und 2005 für Wiederaufbau verwendet .... Reno Air Race in 2007 .... 2008 an "The Fighter Collection" in Grossbritanien verkauft ....
D-CACY Typ: Mk11 Werknnr: ES3617 Seriennr.: WG599 Stand: 12/2013
Andere Kennzeichen: G-9-66, G-BWOL
Anmerkungen: Ex-Royal Navy .... DLB / RFB .... Museum Uetersen 1978-1990 .... Royal Air Force Museum,Duxford, UK .... nach Australien verkauft, dort im Wiederaufbau ....
D-CIBO Typ: TT20 Werknnr: ES8501 Seriennr.: VX309 Stand: 12/2013
Andere Kennzeichen: G-9-27
Anmerkungen: DLB / RFB .... Ersatzteilspender bei RNAS Yeovilton, 1976-1992 und RNAS Wroughton, 1980-1992 .... eingelagert ....
D-CAMI Typ: TT20 Werknnr: ES8502 Seriennr.: VX300 Stand: 12/2013
Andere Kennzeichen: G-9-24, D-FAMI, G-BCKH, N62147L, N46690, N924G
Anmerkungen: FAA .... Hawker Siddeley 1957-58 .... DLB / RFB .... "Warbirds of Great Britain", 1974 .... verkauft in die USA, Sanders Aircraft Technology, 1974 .... flugfähig als N924G in Reno 2013
D-CATA Typ: TT20 Werknnr: ES8503 Seriennr.: VZ345 Stand: 12/2013
Andere Kennzeichen: D-FATA
Anmerkungen: DLB / RFB .... A&AEE Boscombe Down, 1974 .... verunfallt 1985 .... eingelagert .... ausgeliehen an Royal Navy Historic Flight, 1992-2002 .... Ersatzteilspender .... aktuell bei "The Fighter Collection", Duxford, UK als Ersatzteilspender ...
D-COTE Typ: TT20 Werknnr: ES8504 Seriennr.: WE820 Stand: 12/2013
Andere Kennzeichen: G-9-49, D-FOTE, N85SF, #88 'Blind Man's Bluff', #90, #10 'Critical Mass'
Anmerkungen: DLB / RFB .... verkauft in die USA .... seit 1987 als Racer
D-CABU Typ: TT20 Werknnr: ES8507 Seriennr.: VZ353 Stand: 05/1962
Andere Kennzeichen: G-9-56
Anmerkungen: zerstört am 21.05.1962
D-CADA Typ: TT20 Werknnr: ES8508 Seriennr.: VX291 Stand: 03/1964
Andere Kennzeichen: G-9-55
Anmerkungen: zerstört am 18.03.1964
D-CAFO Typ: TT20 Werknnr: ES8509 Seriennr.: WG652 Stand: 09/2011
Andere Kennzeichen:
G-9-57, G-BCKG, N62143, #99 'Riff Raff'
Anmerkungen: DLB / RFB .... verkauft nach GB 07/1974 .... verkauft in die USA 09/1974 .... in Einsitzer umgebaut 1979 .... verkauft in die Tschechische Republik 2011
D-CAME Typ: TT20 Werknnr: ES8510 Seriennr.: VZ372 Stand: 01/1963
Andere Kennzeichen: G-9-50
Anmerkungen: zerstört am 30.01.1963
D-COCO Typ: TT20 Werknnr: ES9505 Seriennr.: VZ350 Stand: xx/2010
Andere Kennzeichen: G-9-54, N20SF, #52
Anmerkungen:DLB / RFB .... verkauft in die USA, 1978 .... verunfallt am 16. Dezember 1978 (Pilot getötet) .... Wrack eingelagert, Kennzeichen (Ersatzteile?) auf eine andere Fury (ex-Burma) übertragen.
D-CEDO Typ: TT20 Werknnr: ES9506 Seriennr.: VZ351 Stand: 08/2014
Andere Kennzeichen: G-9-53, OO-SFY, NX233MB, #911 'September Pops'
Anmerkungen: DLB / RFB .... verkauft nach Belgien, 1975 .... dort eingelagert .... verkauft in die USA, 1985 .... seit 1997 Racer

Legende:

Maschine zerstört / abgeschrieben
Maschine eingelagert / ausgestellt
Maschine flugfähig
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